Worte im Mund

Ein Magazin wie der GAWKER ist darauf angewiesen, dass auf dem Erdenrund Blogsport und den angrenzenden Planeten etwas vor- und wenn möglich auch mal umfällt. Andernfalls wird uns langweilig und wir beschäftigen uns mit Nasenbohren oder Hegel-Lektüre. Deshalb sei an dieser Stelle ein Dank an einen in dieser Hinsicht ganz besonders ergiebigen Blog ausgesprochen: An den Kollegen Nichtidentisches, eine nie versiegende Quelle von besonders erheiternden Ein- und Unfällen.

Kürzlich hat sich Weltkritik einem Beitrag von genanntem Kollegen angenommen. Da sich Kollege Nichtidentisches für so wichtig nimmt, wie er tatsächlich ist, hat er natürlich eine Antwort verfasst, die wie gewöhnlich an Eloquenz und Scharfsinn schier unübertrefflich ist.

Da es in der Antwort von Nichtidentisches hochintellektuell zu und her geht, lockert er erstmal die LeserInnen mit seiner ganz eigenen und sehr subtilen Art von Humor auf:

Sämtliche Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig! Für diesen Text wurden keine Tiere gequält!

Adorno hätte die Negative Dialektik nicht verfasst, Jean Amery nicht Hand an sich gelegt, hätten sie regelmässig den humorvollen Ausführungen von Nichtidentisches lauschen dürfen. Allerdings ist die humoreske Einlage bloss da um die folgenden Worte in ihrer ganzen Bedeutung hervorzuheben.

So schreibt Nichtidentisches von der «polymorph-perversen antideutschen Begriffswelt» und stellt damit auch gleich klar, dass er mit Freud die Sprache als eine grundsätzlich instabile und auf Lustgewinn angelegte Sache betrachtet. Entsprechend wird dann auch klar, warum er Begrifflichkeiten in völlig anderer Weise verwenden kann als seine theoretischen Vorbilder oder der Rest der Menschheit. Schliesslich kann Nichtidentisches mit Worten machen was er will: In den Mund nehmen, in den Arsch stecken oder auch einfach penetrieren. Er schreibt dann auch, dass die Kritik von Weltkritik «primär um des Lustgewinns willen» geschehen sei. Was Weltkritik mit den Worten wohl so alles angestellt haben mag? Was sich Nichtidentisches so ausgemalt haben mag? Er würde seine Aussage auf jeden Fall eine Projektion nennen – und damit aussnahmsweise wohl mal richtig liegen.

Man wünscht sich, Nichtidentisches wäre doch in der oralen Phase steckengeblieben: der Blog-Welt wäre einiges erspart geblieben. Die GAWKER-Redaktion ihrerseits freut sich über weitere tolle Ein- und vorallem Unfälle. Go, Nichtidentisches, go!


8 Antworten auf “Worte im Mund”


  1. 1 nichtidentisches 19. Januar 2007 um 14:18 Uhr

    Aber ich bin doch in der oralen Phase steckengeblieben! Danke für die nachlässige Lektüre und das vorgefertigte Urteil. Damit kommst du mal noch nach ganz oben! Aber ganz groß raus! Huihuihui!

  2. 2 Roger Kint 22. Januar 2007 um 9:37 Uhr

    Ja klar, Nichtidentisches „lockert … die LeserInnen auf“, Weltkritik nimmt sich „einem“ Beitrag an, und Ihr freut Euch als scharfsinnige „Satiriker“ (im usenet hätte man an dieser Stelle ein *atomrofl* eingefügt!) „vorallem“ über Unfälle.
    Keine Gedanken haben, sie auch nicht ausdrücken können, in Punkto Humor den Quatsch-Comedy-Club unterbieten, Jean Améry eindeutschen (!) und dann Nichtidentisches eure ureigenen projektiven Assoziationen unterschieben… Großes Kino!
    keep on rockin‘ in a free world

  3. 3 gawker 22. Januar 2007 um 9:41 Uhr

    atomrofl

  4. 4 Hundmitleine 22. Januar 2007 um 15:29 Uhr

    Satire? Sie scheinen den Zweck des GAWKER nicht zu blicken.
    Ihre informelle Bewerbung für ein Praktikum als Lektor müssen wir leider negativ beantworten. Versuchen sie es doch in einem halben Jahr nochmals.

  5. 5 Roger Kint 22. Januar 2007 um 16:07 Uhr

    „Sie scheinen den Zweck des GAWKER nicht zu blicken.“

    Exakt.

    Auf der anderen Seite scheinen Sie den Zweck eines Praktikums nicht „geblickt“ zu haben:

    „Der Begriff =>Praktikum bezeichnet die Vertiefung zuvor erworbener theoretischer Kenntnisse in praktischer Anwendung.“

    Wieso sollte ein angehender Lektor versuchen, ein Praktikum dort zu machen, wo Notabiturienten sich in kreativem (hier bz.a. die Orthographie) Schreiben üben? Etwa wegen Ihrer interessanten Texte …?

    Das hier scheint mir eher Ihrem Bedarf zu entsprechen:

    „Unter =>Nachhilfe-Unterricht oder kurz Nachhilfe versteht man die gelegentliche, bisweilen aber auch regelmäßige, systematische Unterstützung von Lernenden (z. B. Schülern oder Studenten), die Lernprobleme haben.“

    Nichts für ungut.

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    Hilfe für Legastheniker?
    www.alphabetisierung.de
    Schwierigkeiten beim lesen & schreiben? Wir helfen!

  6. 6 Hundmitleine 22. Januar 2007 um 17:38 Uhr

    Schön, dass sie mittels Wikipedia-Zitat ihre Qualifikation zu unterstreichen suchen. Leider können wir ihrem Wunsch dennoch nicht entsprechen. Wir wünschen ihnen viel Erfolg bei ihren weiteren Bemühungen.

    PS: Wir haben Ihre Bewerbung an unser Partnerzeitschrift CICERO weitergeleitet. Ist halt nicht der GAWKER, aber man muss klein anfangen.

  7. 7 nichtidentisches 29. Januar 2007 um 20:28 Uhr

    Ay, trotzdem, selbst wenn ich eine Satire über Nichtidentisches schreiben müsste, wäre die noch besser ausgefallen. Da wäre noch einiges gegangen, Gawker, ich bin zutiefst enttäuscht!

  1. 1 Bad Blog » Es qualmt der Kopf Pingback am 21. Januar 2007 um 13:44 Uhr
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