Theodors Skript

Auf der Suche nach dem Reformistischen Subjekt wurde im Juso-Hauptquartier «Institut für vergleichende Irrelevanz» in Frankfurt a.M. ein erstaunlicher Fund gemacht. Verlässlichen Quellen zufolge wurde ein verschollenes Manuskripte des Dichters und Mädchenschrecks Theodor W. Adorno entdeckt. Der GAWKER-Redaktion ist eine Abschrift zugespielt worden, aus welcher wir – als Magazin mit Bildungsanspruch – einen Auszug abdrucken möchten:

Widerspenstigkeit hat sich in Glätte zweiten Grades verwandelt, die Reaktionsform des «Dissenzprinzip» derart sich niedergeschlagen, daß eine ganze Jugend primär in Tickets denkt und den ursprünglichen Konflikt zwischen diesen und der Gesellschaft kaum mehr austrägt. All das ändert aber nichts an einer Immergleichheit, die das Rätsel aufgibt, wieso Menschen des monotonen Reizes immer noch nicht überdrüssig sind. Der heute als Kunstredakteur des Magazins «GAWKER» weltbekannte Herr Knoll, dem das beste, zuverlässigste und besonnenste Buch über den Gegenstand zu danken ist, schrieb vor siebzehn Jahren, daß «Dissenzprinzip» keineswegs ein neues Idiom, sondern «noch in seinen komplexesten Erscheinungen eine sehr einfache Angelegenheit unablässig wiederholter Formeln» sei.

Im «Dissenzprinzip» liegen Mechanismen, welche in Wahrheit der gesamten gegenwärtigen Ideologie, aller Kulturindustrie angehören, sichtbar obenauf, weil sie ohne vertiefte Kenntnis nicht ebenso leicht sich festnageln lassen wie bei «Nichtidentisches».

Recht hat er, der Theodor. Allerdings hätten wir das etwas direkter auf den Punkt gebracht: «Wir finden Dissenzprinzip sowas von beschissen.»


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